Mediation, Alternative zur Streitschlichtung am Arbeitsplatz?
Teamer: Carsten Bock
In dem zweitägigen Seminar ging es darum, die Teilnehmer für das Thema Mediation zu sensibilisieren, verschiedene Möglichkeiten der Streitschlichtung kennen zu lernen und einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen zu erhalten sowie deren Möglichkeiten für den Einsatz am Arbeitsplatz zu erkennen.
Der erste Tag
Nach einer Einführung zu den Formen der Kommunikation (4-Ohren-Prinzip) und deren Auswirkungen auf die Konfliktentstehung ging es hauptsächlich um die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen für das Schlichtungsverfahren.
Dabei wurde auch ein Überblick über die Schlichtungsverfahren in den verschiedenen Rechtsbereichen (Strafrecht, Zivilrecht, Verwaltungsrecht, Familienrecht) sowie die unterschiedlichen Organisationsformen der Mediation gegeben. (Schiedsmänner, Gütestellen, Mediatoren als Anwälte oder aus dem sozialpädagogischen
Bereich, fachbezogene Ombudsmänner,
Innungsschlichtungsstellen oder Schiedsgerichte nach der ZPO).
Dabei wurde die Herangehensweise, der Verfahrensablauf, die Verbindlichkeit und die Kosten jeweils herausgestellt, wobei die Teilnehmer die nicht bestehende Erscheinenspflicht bzw. die evtl. fehlende Bereitschaft des Gegenübers, sich auf das Thema einzulassen, besonders kritisch sahen.
Nach der Pause ging es dann in einem Interaktionsspiel (Wahrnehmungsspiel) darum, den Fokus weg von sich, hin zu einem Partner zu lenken. Interessant war festzustellen, dass die meisten Partner sofort miteinander „klarkamen“ aber der, der zuerst die Führungsrolle innehatte, diese zumeist auch bis zum Schluss behielt. Jedenfalls ist es allen Teilnehmern leicht gefallen, sich auf den anderen einzustellen.
Als Nächstes wurden die neun Stufen der Konflikteskalation erläutert und die Lösungsmöglichkeiten und das Konfliktabsichtsverhalten dargestellt.
In einem zweiten Interaktionsspiel ging es zum Abschluss des ersten Tages darum, sich zum einen einer fremden Person anzuvertrauen, über seine Gefühle zu reden und auf der anderen Seite aber auch aktives Zuhören zu üben und die Gefühle anderer zu verstehen. Dabei wurde im Besonderen festgestellt, dass man oft seine Gefühle nicht zum Ausdruck bringt, sie aufstaut und sie eben dann ggf. an unpassender Stelle, oder in überzogenem Maße „rauslässt“. Andererseits haben einige Teilnehmer auch sich auf reine Sachinformationen beschränkt und noch keine Gefühle zum Ausdruck gebracht.
... stand ganz im Zeichen der praktischen Übungen. In einem ersten Interaktionsspiel ging es um das Ausdrücken nonverbaler Gefühle nur mit Händen, da es den meisten „Männern“ oft schwer fällt, über ihre Gefühle zu reden, wie wir am Vortag erleben mussten.
Danach wurden in einem Teamcheck von jedem Teilnehmer seine persönlichen Gefühle zu vorgegebenen Situationen zum Ausdruck gebracht und an einer Pinnwand die gemeinsamen Gefühle miteinander verbunden. Dabei konnten selbst die Teilnehmer, die sich als Außenseiter fühlten, feststellen, dass andere Menschen in den selben Situationen auch genauso fühlen und empfinden wie man selbst und man selbst mit Menschen, bei denen man es nicht vermutet, noch sehr viele Gemeinsamkeiten hat.
Nach der Pause wurde dann von zwei Gruppen versucht, zu einer Geschichte mit vorgegebenem Schluss eines Arbeitskollegen, der auf Grund familiärer Probleme alles hinschmeißt und seine Arbeit sowie sein bisheriges Leben aufgibt, einen Anfang auszudenken und dabei aufzuzeigen, an welchen Punkten man mit welchen Mitteln hätte intervenieren können.
Danach wurden in einer Plenumsarbeit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Interventionsformen Mediation und Moderation erarbeitet und in einem Schaubild dargestellt sowie
die jeweiligen Einsatzbereiche, der Verfahrensablauf und die Grenzen (Was danach kommt.) erörtert.
Ein letztes vorbereitetes Interaktionsspiel zur Mediation, wo es darum gehen sollte, aus einem vom Teilnehmer geschilderten Problem eine strukturierte Ich-Äußerung zur Streitschlichtung zu erarbeiten, um die Elemente: „Das ist das Problem, so fühle ich mich dabei, und das brauche und will ich“ als wichtige Komponenten der Streitschlichtung klarer zu machen und dann das Problem mediatorisch verändern zu können, konnte auf Grund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr durchgeführt werden.
Carsten Bock ist seit 11 Jahren als Vorsitzender der (kommunalen) Schiedsstelle in Potsdam und als Leiter einer Gütestelle tätig.
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