Das Seminar
Die Geschichte des Seminars in Oberursel hat ihre Wurzel in Köln. In der
Dezemberausgabe der "ran" 1987 hatte der ÖTV-Arbeitskreis "Lesben +
Schwule" in Köln den ersten großen Artikel zum Thema "Lesben und Schwule am
Arbeitsplatz" platzieren können. "ran" fragte dann beim Haus der
Gewerkschaftsjugend Oberursel an, ein Seminar zum Thema "Lesben und Schwule" in
Zusammenarbeit mit den ÖTV-Arbeitskreisen anzubieten.
1989 konnte also das erste Homosexuellen-Seminar in Oberursel durchgeführt werden. Die
offizielle Aufnahme ins Bildungsprogramm löste in einigen Betrieben und unter
Gewerkschaftsfunktionären Aufsehen aus und es kursierten die wildesten Gerüchte über
die Aktivitäten auf dem Seminar. Tatsächlich war der Schwerpunkt der ersten Seminare,
die Arbeit der verschiedenen Arbeitskreise zusammenzubringen und das Handwerkszeug zu
vermitteln, um neue zu gründen. Spannungen zwischen den unterschiedlichen Haltungen von
Wessis und Ossis und natürlich auch zwischen Lesben und Schwule mussten verarbeitet
werden.
Der große Krach
Auf dem vierten Seminar kam es zum inzwischen legendären Eklat zwischen Lesben und
Schwulen. Die Bearbeitung des Konflikts führte zu einem Statement, das auch heute noch
Gültigkeit besitzt: Das Patriarchat ist eine der Ursachen der Probleme in der
lesbischwulen Zusammenarbeit. Ziel des Seminars in Oberursel ist die Auflösung
althergebrachter Geschlechterrollen.
Arbeits- und Umgangsformen
TeamerInnen bereiten das Seminar vor und leiten die Runden und
Gruppen an. Vertrauen und Offenheit bestimmen den Umgang untereinander. Selbstbestimmtes
Lernen wird durch die gewählten Methoden ermöglicht.
Coming-Out-Runden
Jedes Jahr aufs
Neue startet das Seminar mit den Coming-Out-Runden. In kleinen gemischten Gruppen
erzählen sich die TeilnehmerInnen "ihre Geschichte". Heterosexuell lebende
Frauen und Männer können ihre Lebens- und Liebesgeschichten fast überall erzählen und
dabei voraussetzen, auf eine wohl wollende ZuhörerInnenschaft zu treffen. Lesben und
Schwule können das nicht. Unsere Sehnsucht nach Orten, wo wir eine interessierte und
respektierende ZuhörerInnenschaft finden, ist deshalb groß. Wir erfahren durch das Erzählen und Zuhören, dass es für alle Lesben und Schwule ein
langer schwieriger Weg war, zu den eigenen Gefühlen zu stehen. Unsicher über die eigenen
sexuelle Identität gewinnt jedeR im Laufe der Zeit eine stärkere subjektive Gewissheit,
bis die eigene Orientierung akzeptiert ist und offen und selbstbewusst in eine lesbische
oder schwule Lebensgestaltung umgesetzt wird.
Arbeitsgruppen
Er- und bearbeitet wird eine breite Spannweite von Themen aus der
lesbischwulen Gewerkschaftsarbeit.
Geselligkeit
Muss frau/mann erlebt haben! (O-Töne zum Seminar)
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